Altbausanierung Gestaltung Umbau

Altbau-Philosophie

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Noch immer bin ich dabei, Schichten abzutragen, überwiegend Tapete. Hier und da bröckelt der Putz oder löst sich auch mal auf einer größeren Fläche. In Küche und Wohnzimmer kam eine Art-deco-Bordüre ans Licht, die von früherer Mittelmeersehnsucht kündet, darauf lassen jedenfalls die Palmen schließen.

Blaue Ornamente mit Palmen und Segelboot auf geflickter Wand

Bordüre an der Wohnzimmerwand

Wäre ich extrem nostalgisch veranlagt, würde ich wohl versuchen, die alte Bordüre zu erhalten. Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz, ich müsste also keinen Gedanken daran verschwenden. Und die Bordüre gefällt mir noch nicht einmal. Trotzdem kostet es Überwindung, solche kleinen Zeitzeugnisse, von denen das Haus nicht mehr viele besitzt, vielleicht für immer aufzugeben. Der Denkmalschutz verfügt über Möglichkeiten, solche Relikte für die Zukunft zu erhalten, ohne dass sie sichtbar sein müssen. Allerdings scheue ich den Aufwand, denn es gibt ohnehin noch so viel zu tun.

„Bauschaum und Silikon retten die Nation“

Im Treppenhaus wurde die Decke beschädigt, als wir im Bad darüber den Betonboden abgebrochen haben.

Bröckelnder Lehmputz an der Decke, darunter Schilfrohr als Putzträger

Schaden an der Decke. Die Schilfrohre sind gerissen, der Putz bröckelt. Doch der Schaden ist nur oberflächlich, solange die Deckenbalken nicht beschädigt sind.

Bei allen Schäden stellt sich die Frage, ob man sie auf traditionelle Weise repariert, also mit den historischen Baustoffen Holz und Lehm, oder ob man dem Haus mit Rigipsplatten, Glasfaserflies, Bauschaum und Silikon zuleibe rückt, wie das seit einigen Jahrzehnten Standard ist.
Unter Altbaufans gibt es diesen ironischen Spruch: „Bauschaum und Silikon retten die Nation“. In der Tat ist Skepsis angebracht, wenn man sieht, dass Silikonfugen schon nach fünf bis zehn Jahren unansehnlich werden und Bauschaum sowieso ein unberechenbarer Werkstoff ist, während Lehm- und Holzkonstruktionen oft viele Jahrhunderte überdauern und theoretisch weitere Jahrhunderte halten könnten, würde man sie entsprechend instandhalten. Aber das ist offenbar leichter gesagt als getan. Bisher habe ich für die traditionelle Sanierungsweise noch keine ausreichende Unterstützung gefunden.

Wer schmeißt denn mal mit Lehm

Innenwand-Aufbau aus Holzständer und Lehm. Die Elektroinstallation, die später verlegt wurde (rechter Bildrand), ist bereits veraltet. Also weitere Schlitze klopfen?

Innenwand-Aufbau aus Holzständer und Lehm. Die Elektroinstallation, die später verlegt wurde (rechts, neben dem Dübel), ist bereits veraltet. Also weitere Schlitze in die Wand reißen?

Jetzt muss ich entscheiden, suche ich nun gezielt nach Handwerkern, die die historischen Techniken beherrschen? Oder soll ich, wie so viele, die selbst sanieren, die Sache in Eigenarbeit erledigen? Lehmbau-Seminare werden zum Beispiel in Mainz und Koblenz angeboten.
Durch das Wohnen in einem modernen Holzhaus – Holzständerbau mit Zellulosedämmung – und die Beschäftigung mit Denkmalschutz-Themen bin ich inzwischen sehr für natürliche Baustoffe eingenommen. Mein Vorsatz, die Sanierung in Sankt Goarshausen vor allem pragmatisch anzugehen, wird von diesen Erfahrungen in Frage gestellt.

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